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Martin, Dr. Klaus-Peter und Michael Ruf

Transnova Ruf aus Ansbach hat sich vom Standardmaschinenbauer zum Anbieter von roboterbasierten, maßgeschneiderten Automatisierungslösungen im Endverpackungsbereich entwickelt. 1993 übernahm Dr. Klaus Peter Ruf das insolvente Unternehmen Transnova mit 15 Mitarbeitern. Heute ist sein Unternehmen Marktführer beim Bau von roboterbasierten Verpackungs- und Palettier-Anlagen mit rund 300 Mitarbeitern. Der Jahresumsatz liegt derzeit bei 40 Millionen Euro. Jede der Sondermaschinen entsteht nach den Bedürfnissen und Wünschen der einzelnen Kunden und stellt ein technisch ausgefeiltes Unikat dar. Zu diesen Kunden zählen zahlreiche Top-Unternehmen weltweit, wie Unilever, Nestlé, Adidas, Fresenius, Hipp, Bayer, Haribo, Beiersdorf, Henkel, Melitta, AEG, Pfizer, Schwarzkopf oder Tchibo. Von der Knopfbatterie über Käseblister, Beutel mit Infusionslösung, Sportschuhe bis hin zu Kühlschränken – es gibt quasi keine Produktkategorie, die nicht schon mit den Anlagen aus Ansbach automatisiert verpackt wurde. Passend zum 25-jährigen Firmenjubiläum hat die Business Lounge mit dem Unternehmer und seinen Söhnen gesprochen.

„Wollten Sie schon immer Maschinen und Anlagen entwickeln?“
Dr. Klaus-Peter Ruf:
„Seit meinem sechsten Lebensjahr. Mein Lieblingsspielzeug war der Märklin-Baukasten. Ich komme aus relativ einfachen Verhältnissen und habe mich immer gefreut, wenn es von meinen Eltern für eine Mark ein paar Zahnräder gab. Dann konnte ich wieder ein kleines Getriebe bauen. Ich habe dann später den technischen Weg eingeschlagen und in den 1980er Jahren in einem Unternehmen mit 600 Mitarbeitern für Verpackungsmaschinen gearbeitet, zuletzt in der Geschäftsführung. Dieses Unternehmen hat Anlagen für Primärverpackungen hergestellt, das heißt, die eigentlichen Produkte haben eine Verpackung bekommen. Am Ende so einer Verpackungsmaschine waren damals hunderte Menschen, die einen Karton aufrichteten, die Produkte hineinlegten, den Karton zuklebten, ein Etikett aufklebten und dann den Karton auf einer Palette stapelten. Mir war schon damals klar, dass innerhalb der nächsten 20 Jahre dieser Prozess automatisiert sein würde, aber mein damaliger Chef hatte dafür kein Gespür. Schon immer hatte ich einen Drang zur Selbstständigkeit, aber bereits damals war eine Neugründung sehr schwer zu finanzieren, heute ist es unmöglich. Dann hörte ich von der Insolvenz von Transnova und das war der Auslöser. Ich hatte ein erstes Gespräch mit dem Konkursverwalter, der aber schon mehrere Interessenten hatte. Nach acht weiteren Wochen habe ich ihn nochmals angesprochen, die Interessenten waren weg und die Firma am Ende. Es war glücklicherweise ein Konkursverwalter, der ein großes Interesse daran hatte, die Firma weiterzuführen. Wir haben dann einen guten Weg gefunden, wie ich mit fast keinem eigenen Kapital die Restmenge übernehmen konnte. Mit 15 Mitarbeitern habe ich dann in meinem 42. Lebensjahr begonnen.“

„Dann mussten Sie erst einmal schnell Geld verdienen.“
Dr. Klaus-Peter Ruf:
„ Die größte Hürde ist erst einmal das Startkapital zu bekommen. Die etablierten Banken hatten gerade Millionen von Beträgen abgeschrieben und wollten nichts mehr in Transnova investieren. Letztlich war es mit der damaligen Schmidt-Bank eine kleine Bank, die mir vertraut hat und 700.000 Deutsche Mark Startkredit gewährte. Das zweitwichtigste sind dann neue Aufträge. Ich hatte vom vorherigen Job gute Kontakte zu Nestlé. Ich war nie ein Mann des Schreibtischs, sondern eher der Taten und bin immer, wenn es Probleme gab, zu den Kunden hingefahren. So habe ich meine Kontakte aufgebaut und damit haben wir dann den ersten Auftrag bekommen. Wo Tauben sind, fliegen Tauben hin und auf diese Weise kamen weitere Aufträge hinzu. Zuerst ging es mit der alten Technik weiter, parallel habe ich umgesetzt, was ich immer vor hatte: roboterbasierte Anlagen zu entwickeln. Schon bald hat es dann keine Anlagen mehr ohne Roboter gegeben. Wir haben ein Programm entwickelt, bei dem ein Kunde nur noch die Maße von seinem Karton angegeben hat, und dann hat die Anlage ausgerechnet, wie die Palette optimal bepackt wird. Das konnten keine konventionellen Anlagen, die damals am Markt waren.“

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Eine Verpackungsmaschine von transnova-Ruf

„Warum setzten Sie so explizit auf die modulare Robotertechnologie?“
Michael Ruf:
„Der große Vorteil von Robotern ist die unendlich Flexibilität. Da haben Wettbewerber mit konventioneller Technik das Nachsehen, gerade wenn der Kunde nachträglich die Verpackung ändern möchte. Wir leben von der produzierenden Industrie in Deutschland und wir sorgen dafür, dass sie wettbewerbsfähig produzieren kann. Wir sehen für unsere Technologie einen nahezu unerschöpflichen Markt, denn der Automatisierungsbedarf ist gigantisch. Ungefähr 60 bis 80 Prozent unseres Umsatzes erzielen wir hier in Deutschland. Das ist atypisch, denn die meisten Marktbegleiter machen das Geschäft in der gleichen Größenordnung im Ausland. Wir sind die letzten Jahre durchschnittlich 15 Prozent pro Jahr gewachsen und wir könnten sogar noch schneller wachsen, aber wir haben ein Fachkräfteproblem.“

„Mit dem Einsatz von Robotern haben Sie sich einen Marktvorteil bis heute erarbeitet. Wieso zieht die Konkurrenz nicht nach?“
Martin Ruf:
„Der normale Unternehmer bleibt immer zuerst bei seiner Technologie, denn eine neue Technik bedeutet auch Risiko. Deshalb springen unsere Marktbegleiter auch nicht so schnell um, denn eine Umstellung bedeutet zuerst viel Ärger, viele Probleme und keinen Gewinn. Wir haben auf diesem Feld nach 20 Jahren einen großen Erfahrungs- und Wissensvorsprung. In unserer Branche beginnen inzwischen auch einige mit dieser Technik, wir verbauen aber schon heute jedes Jahr mehr als 200 Roboter und haben entsprechende Referenzen.“

„Haben Sie Stammkunden, die regelmäßig Ihre Produkte kaufen?“
Michael Ruf: „Wir sind der Maßschneider in der Branche, das heißt, unsere Kunden kommen dann gerne zu uns, wenn sie wissen, dass eine Lösung von der Stange nicht gut passt. Der Kunde hat eine Aufgabenstellung, ein Budget und meistens eine vorhandene Fabrik, in die etwas hineingeplant werden muss. Diese Bedürfnisse müssen alle exakt abgedeckt werden. Mit unserer Robotertechnik und der Mikromodulstrategie können wir ganz spezifisch auf Kundenbedürfnisse eingehen – deutlich besser als das die meisten unserer Marktbegleiter können, die versuchen, den Kunden von ihrer Standardlösung zu überzeugen. Etwa 80 bis 90 Prozent sind Stammkunden, die wissen, worauf sie sich einlassen. Die Qualität stimmt und die Maschinen laufen in der Regel sehr lange. Wir bekommen Umrüstaufträge von Maschinen, die 13 Jahre und älter sind.“

„Dafür benötigen Sie aber überdurchschnittlich gut ausgebildete Mitarbeiter. Wie bekommen Sie diese Qualität hin?“
Martin Ruf:
„Mitarbeiter zu finden und zu halten ist sehr schwierig. Softwareentwickler und Konstrukteure entwickeln wir selbst über unsere eigenes Stipendiensystem, das wir zum Glück schon vor 15 Jahren begonnen haben. Ein Teil der Auszubildenden geht weiter zur Technikerschule und bekommt einen Teil des Gehaltes weiter bezahlt, um die Ausbildung zu unterstützen. Ein anderer Teil geht weiter zur Hochschule und kommt zum Beispiel als Bachelor zurück. So haben wir bisher keinen Engpass bei Softwareentwicklern und Konstrukteuren. Ein ganz großer Teil unserer heutigen Mechaniker und Elektroinstallateure kommt aus Osteuropa und das ist die einzige Chance, den Facharbeiterbedarf zu decken. In Deutschland gibt es keine mehr. Wir bilden zwar selbst aus, aber diese Mitarbeiter werden ganz rasch Konstrukteure oder Softwareentwickler.“

„Haben Sie eine Idee, wie das besser werden könnte?“
Dr. Klaus-Peter Ruf:
„Die Idealisierung der theoretischen beziehungsweise akademischen Ausbildung ist völlig überzogen. In den letzten Jahren wurden viele neue Technikerschulen und Hochschulen gegründet und zum Befüllen dieser zusätzlichen Kapazitäten die Eingangsbedingungen heruntergenommen. Das Ergebnis ist letztlich, dass das Ausbildungsniveau insgesamt von Jahr zu Jahr inflationär verwässert worden ist. Stellen Sie sich vor: Es bewerben sich bei uns Techniker von der Technikerschule, deren Wissensniveau dem unserer Auszubildenden im dritten Lehrjahr entspricht. Wir hatten schon Kandidaten, die wir als Abzubis als zu schlecht abgelehnt hatten und die sich später mit bestandener Technikerschule wieder beworben haben. Ich bin davon überzeugt, dass sich damit die Technikerschulen ruinieren. Erstmalig hatten wir in diesem Jahr in Deutschland mehr Studienbeginner als Beginner einer Ausbildung. Dieser Trend zeigt, dass wir in Deutschland Gefahr laufen, die qualifizierte Facharbeiterbasis zu verlieren.

„Die Politik wollte die Ausbildung vergleichbarer mit anderen Ländern machen. Im Vergleich haben wir weniger Studenten.“
Dr. Klaus-Peter Ruf:
„Nicht die Quantität, sondern die Qualität zählt. Die Politik macht leider im Konkreten nur selten etwas richtig, weil die Erfahrung aus der Praxis fehlt. Außerdem kann sich der einzelne Politiker bezüglich unserer spezifischen Probleme nicht in München oder Berlin durchsetzen. Das Tragische ist aber gerade der europäische Vergleich. Jeder Nachbarstaat beneidet uns um unser duales Ausbildungssystem, das über Jahrzehnte gereift ist und sich bestens bewährt hat. Und gerade da legen wir die Axt an, nur um dem schlechteren Ausbildungssystem des Auslandes nachzueifern. Leider verschaffen uns die Fachverbände bei der Regierung auch kein ausreichendes Gehör.“

„Wo sehen Sie die Herausforderung für die Zukunft?“
Michael Ruf: „Wir müssen uns mit dem Thema Fachkräftemangel strategisch auseinandersetzen, denn das ist für uns die wichtigste Ressource. Altersabgänge und Fluktuation müssen kompensiert werden, hinzu kommen moderate Wachstumsperspektiven. Für unsere Personalakquise investieren wir einiges, dass mussten wir früher nicht. So planen wir eine strategische Vorgehensweise beim Themenfeld Social Media. Das ist natürlich kein Thema für unser Absatzgeschäft, denn unsere Kunden im B2B-Geschäft sind Techniker in einem industriellen Umfeld, die treffen keine Investitionsentscheidungen über soziale Medien. Bei Social Media geht es darum, Mitarbeiter und Nachwuchs zu akquirieren. Wir konkurrieren mit bekannten Firmen wie Bosch oder Oechsler und da müssen wir bei den jungen Menschen unsere Story rüberbringen und zeigen, warum die Ausbildung bei uns besser ist. Eine Medienagentur erarbeitet gerade ein Konzept für die strategische Nutzung der sozialen Medien wie Facebook. Wir haben gemerkt, dass man die jungen Menschen über die klassischen Wege nicht mehr erreicht. Wenn wir jetzt neues Personal suchen, haben wir die Suche fast komplett von den klassischen Printmedien auf internetbasierte verlagert. In der Vergangenheit war es für uns kein Problem, genug Bewerber zu finden, so dass wir auch selektieren konnten. Jetzt kämpfen wir darum, überhaupt genügend Bewerber zu bekommen. Außerdem legen wir sehr viel Wert auf ein gutes Arbeitsumfeld. Durch unser dynamisches Projektgeschäft ist unser Arbeitsumfeld sehr herausfordernd, denn zum Ende wird es oft stressig. Dafür pflegen wir den Sportsgeist unserer Mitarbeiter und lassen die Leistungsträger über Prämien, Belobigungen und ein leistungsorientiertes Vergütungssystem spüren, dass sie Leistungsträger sind. Wir gehen auch immer mehr auf die individuellen Bedürfnisse der Mitarbeiter ein, etwa bei Elternzeit, Homeoffice oder dem Wunsch nach einer Viertage-Woche. Wir haben auch einen jungen Mann, der gerade eine Auszeit will und für ein Viertel Jahr mit dem Rucksack um die Welt reist. Natürlich halten wir ihm die Stelle frei und freuen uns, wenn er gesund wiederkommt. Man kann als Arbeitgeber nicht restriktiv sein, denn dann verlieren wir die Mitarbeiter. Wir starten aktuell auch einen ersten Versuch mit der Einstellung eines Flüchtlings aus Syrien.“

KG1_6750Magazin: „Ist Zeitarbeit eine Option für Sie?“
Martin Ruf: „Der Arbeitsmarkt für Fachkräfte in Deutschland ist leergefegt. Zeitarbeit ist bei uns kein Modell, um Geld zu sparen, sondern um überhaupt Fachkräfte zu bekommen, insbesondere über Zeitarbeitsfirmen mit Mitarbeitern aus Osteuropa. Die wissen genau, was wir benötigen und sobald sie jemanden haben, informieren sie uns, aber das sind Einzelfälle. Mehr Mitarbeiter bekommen wir über eine Zeitarbeitsfirma aus Slowenien. Die Mitarbeiter kommen dann vier Wochen zum Arbeiten her, danach haben sie ein verlängertes Wochenende bei ihren Familien in Slowenien. Anschließend arbeiten sie wieder vier Wochen bei uns.“

„Wie ist denn der Führungsstil hier im Haus?“
Martin Ruf:
  „Es funktioniert nicht, dass wir im Büro alle Entscheidungen treffen und die Mitarbeiter diese nur noch umsetzen. Projektgeschäft bedeutet, dass sie eine gewisse Teamstruktur zulassen müssen, damit sich die Mitarbeiter entfalten und an Entscheidungen beteiligen können. Klar ist auch, wir sind kein Debattierclub, Entscheidungen müssen natürlich getroffen werden. Gerade bei Ideenfindung, technischer Umsetzung und Realisierung gibt es einen permanenten Problemlösungsprozess, damit am Ende die Maschine funktioniert. Das funktioniert nur von unten, das kommt von unseren Mitarbeitern.“

„Was halten Sie vom Unternehmertum in Deutschland?“
Dr. Klaus-Peter Ruf: „Das ist für mich das Größte, was ein Mensch in seinem Leben erreichen kann. Der größte Vorteil ist, in der Entscheidung frei zu sein. Nur so konnte unser Unternehmen wachsen. Angestellte Geschäftsführer haben Angst und das lähmt in Entscheidungen. Und die Politik tut seit Jahren alles, um dem Unternehmer permanent das Leben schwerer zu machen: Arbeitszeitgesetz, Kontrollen, Abmahnungen oder Geldstrafen. Oder das Thema Bauen – wir haben kein Bauamt, wir haben ein Bauverhinderungsamt. Bei  Marktbegleitern, die zufällig einer anderen Kommune angehören, gelten wieder andere Maßstäbe und die sind dadurch im Wettbewerbsvorteil. Deutschland hat ein ausgeprägtes Unternehmertum, das trotz dieser politischen Rahmenbedingungen funktioniert. Irgendwann wird die Situation aber nicht mehr so komfortabel sein, denn der Politik fehlt die Weitsicht.“

„Haben Sie eigentlich schon Ihre Nach-folge geregelt?“
Dr. Klaus-Peter Ruf:
„Das haben wir bereits vor zehn Jahren getan. Beide Söhne hatten zuerst ihren eigenen Weg außerhalb des Unternehmens bestritten. Als ich 55 Jahre alt war, wollte ich wissen, ob einer der Söhne ins Unternehmen einsteigt oder ob ich die Braut zum Verkauf schmücken muss. Dann ist die Erkenntnis bei meinen Söhnen gekommen, dass sie auch unternehmerisch tätig sein wollten, dass sie selbst gestalten und das Risiko selbst in die Hand nehmen möchten. Beide haben sich dann unabhängig voneinander dafür entschieden, in das Familienunternehmen einzusteigen.“

„Wo wird transnova-Ruf in zehn Jahren stehen?“
Michael Ruf:
„Selbstverständlich wollen wir unsere erfolgreiche Strategie weiter ausbauen. Ich denke, dass der strategische Ansatz von unserem Vater auch in den nächsten Jahren noch hervorragendes Geschäftspotenzial hat. Nicht nur Facharbeiter sind mittlerweile knapp, sondern unsere produzierenden Kunden finden kein Personal für einfachste Tätigkeiten. Das heißt, der Drang zur Automatisierung ist da. Wenn wir noch weitere 100 Mitarbeiter finden, werden wir auch weiter wachsen, aber Wachstum ist nicht unser primäres Ziel. Es ist wichtig, eine gute Substanz im Unternehmen zu entwickeln und ein sehr ausbalanciertes Unternehmertum weiter zu pflegen.“

www.transnova-ruf.de


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